Verfasst von: simon1992 Am: 4. September 2009
Nachdem die Taliban zwei Tanklastzüge entführt hatte, forderte die Bundeswehr Luftunterstützung an und ließ die Laster bombardieren. Dies hatte eine große Zahl an Verletzten und Toten zur Folge.
Die Entführung zweier Tanklastzüge in der nordafghanischen Provinz Kundus, durch Kämfer der Taliban, führte erneut zu schweren Kämpfen zwischen Bundeswehr und Taliban. Die Bundeswehr berichtet, dass Aufständische gegen 1.50 Uhr Ortszeit zwei beladene Tankzüge, unter schwerer Gewalt an sich gerissen hätten.
Weiter behauptet die Bundeswehr, dass der Treibstoff für den Problembezirk Char Darah bestimmt war. Man hätte die Aufständischen jedoch entdeckt und um 2.30 Uhr mit Erfolg bekämpfen können.
Einer, durch die Nato in Brüssel, bestätigten Meldung zufolge kam es nach Luftangriffen des deutschen Wiederaufbauteams (PRT) zur Explosion der Tanker. Hierbei seien 50 Aufständische getötet worden, Schäden bei Zivilisten oder deutschen Soldaten gäbe es jedoch nicht, so die Bundeswehr.
Der Gouverneur der Provinz, Mohammed Omar, spricht allerdings von 90 Toten, von denen lediglich 45 Anhänger der Taliban seien. Ein angehöriger der afghanischen Sicherheitskräfte behauptet sogar, dass es sich um 200 Tote und Verwundete handele. Um in diesem Punkt Klarheit zu schaffen ist nun von der Schutztruppe Isaf eine Untersuchungskommission eingeleitet worden. Aufgrund der Taliban-Präsenz sei es jedoch sehr schwer zu klären wieviele Opfer es unter den Zivilisten und der Taliban gegeben hätte.
Für mich ist der Artikel von “Zeit-Online” die Nachricht des Tages, da die Debatte um die Präsenz der Bundeswehr in Afghanistan, im Anbetracht der Bundestagswahl wieder ins Rollen gekommen ist. Ich denke, dass es einerseits wichtig ist Afghanistan zu mehr Sicherheit zu verhelfen, anderseits ist es jedoch so, dass Deutschland durch Maßnahmen wie dem hier genannten Luftangriff immer mehr zur Zielscheibe für Terroristen wird.
[...] Kommentieren! Diese Nachricht des Tages enthält neue Informationen zu dem älteren Artikel Afghanistan – Bundeswehr forderte Luftangriff an – Dutzende Tote [...]
6. September 2009 um 09:57
An dieser Meldung, die für euch «Nachricht des Tages» ist, wird eines der grundlegenden Probleme der Medienlandschaft deutlich: Gesucht und gefragt sind Ereignisse, nicht Entwicklungen.
Wann habt ihr zuletzt in einer Zeitung gelesen, mit welchen Strategien die Bundeswehr und die NATO Afghanistan befrieden wollen? Wann wurde euch zuletzt das Konzept der PRTs (Provincial Reconstruction Teams) erklärt?
In den Medien sieht man nur in Ausnahmefällen den großen Zusammenhang, was ich persönlich sehr schade finde. (Das soll nicht heißen, dass mir die Bombardierung des oben genannten Tanklastzugs egal ist, aber wenn man in 10 Jahren auf den Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan zurückblickt, dann wird dort sicherlich nicht diese Bombardierung im Mittelpunkt stehen.)
Ich bin durch Zufall auf euer Blog gestoßen und finde die Idee sehr gut. Ich habe selbst in diesem Jahr Abitur gemacht (allerdings in Bayern) und hatte auch den LK Sozialkunde/Geschichte (Wirtschaft gibt es bei uns nur in Kombination mit Recht; Sozialkunde = Politik, darf aber nicht einzeln gewählt werden, weswegen es diese Zwei-Fächer-in-einem-LK-Kombination gibt).
Ein kleiner Tipp für euch und euren Lehrer: Unser LK-Leiter kannte sich mit Computern überhaupt nicht aus, aber auch er hatte seine Methoden, um uns schnell einen Überblick über das Nachrichtengeschehen zu verschaffen. Am Anfang der Stunde stand an der Tafel das Wort «Aktuelles», wir als Schüler waren aufgefordert, die Tafel mit Meldungen zu füllen, die uns bei der Zeitungslektüre am Morgen in Erinnerung geblieben sind. (Also einfach aufstehen, Kreide nehmen, schreiben, wieder hinsetzen – jeder kann, darf, soll schreiben.) Danach haben wir uns für ein Thema entschieden, über das wir kurz reden wollen. Jeder, der dazu etwas wusste, hat sich gemeldet und erzählt, was ihm oder ihr im Gedächtnis geblieben ist. Durch diese verschiedenen Meinungen und Sichtweisen von unterschiedlichen Leuten hatte man meistens binnen 2,3 Minuten einen guten und hintergründigen Überblick über das Thema. Besonders spannend wurde es dann, wenn man die reine Nachrichten-Ebene verließ und mit «Insider-Informationen» ankam. (Unser Gymnasium befindet sich im Umkreis der größten Standorte von Schaeffler, das ist hier ein großer Arbeitgeber und wir hatten ca. 5 Schüler, deren Eltern dort – in unterschiedlichen Positionen – arbeiteten, was dazu führte, dass wir die verschiedenen Sichtweisen, vom einfachen Arbeiter am Fließband bis hin zum Organisator der Groß-Demo – der zufällig der Vater eines LKlers war -, nachvollziehen konnten.)
Ich weiß nicht, inwiefern dieses Projekt auch zur Vorbereitung auf das Abitur dienen soll. Wenn das der Fall sein soll, dann hier noch ein Tipp von jemandem, der mit ähnlichen Methoden darauf vorbereitet wurde: Fixiert euch nicht zu sehr auf Einzelereignisse! Der Tanklastzug ist in zwei Wochen vergessen. Aber was ist mit Rot-Rot-Grün auf Bundesebene? Was ist mit Europapolitik? Hier bekommt ihr unfassbar viel Hintergrundwissen, das sich nutzen lässt. (Okay, zumindest ist es in Bayern so, ich kenne die hessischen Lehrpläne nicht.) Aber: Nur Hintergrundwissen bringt euch langfristig etwas. Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern… Sucht dieses Hintergrundwissen, das ist mein Tipp für euch.
Daran anschließend noch ein weiterer Hinweis: Im Deutschlandfunk gibt es die Sendung «Hintergrund Politik», in der ein Thema in ca. 18 Minuten detailliert erklärt wird. Die Sendung lässt sich als Podcast in iTunes abonnieren, außerdem gibt es ein Transkript jeder Sendung online. Ich habe das zwei Jahre lang zur Abi-Vorbereitung gehört, natürlich nicht jede Sendung, aber alle, von denen ich mir etwas versprochen habe. Überall sind ein, zwei Fakten zu finden, die ihr so vorher noch nie gehört habt und die einfach ziemlich interessant sind. Vor allem wenn’s um die «große Politik», um Militär-Einsätze, um die NATO, die EU oder die UNO geht, dann ist das ziemlich gut. Mir persönlich hat’s viel gebracht.